Autor Musil, Robert rororo #64
  Oesterreich
Titel Drei Frauen
Grigia . Die Portugiesin . Tonka
  sowie "Aus dem unveröffentlichten Nachlass von Robert Musil". Auswahl und Vorwort von Adolf Friese
   
Umschlaggestaltung Gröning, Karl jr.
Pferdmenges, Gisela
rororo Taschenbuch Ausgabe 64
  In einmaliger Sonderausgabe zum 100. Geburtstag des Verlegers Ernst Rowohlt am 23. Juni 1987 neu aufgelegt. 
Auflage(n) 1.-50. Tsd. 10/1952
88. Tsd. 04/1957
 
146 Seiten
dt. Erstausgabe Hamburg: Rowohlt, 1924
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Den 1880 in Klagenfurt geborenen Dichter Robert Musil, der am 15. April 1942 in der schweizer Emigration starb, nannte die Londoner Times sieben Jahre nach seinem Tode „den bedeutendsten deutschschreibenden Romancier dieser Jahrhunderthälfte" und zugleich „einen der unbekanntesten Schriftsteller dieses Zeitalters". Thomas Mann äußerte 1939: „Es gibt keinen anderen lebenden deutschen Schriftsteller, dessen Nachruhm mir so gewiß ist." Bis zur Wiederveröffentlichung seiner drei meisterlichen, erstmals 1924 erschienenen Erzählungen, die nunmehr als Taschenbuch in die Hände vieler tausend Leser gelangen werden, war Robert Musil in der Tat - wie die Times richtig feststellte - nur einem engen literarisch interessierten Kreis als ein Joyce und Proust ebenbürtiger genialer Erzähler bekannt. Zeitlebens hielt er sich bis zur Verachtung mißtrauisch allem fern, was statt echter Aktivität leerer, wenn auch noch so emsiger literarischer Betriebsamkeit entsprang. Er war als Außenseiter zur Literatur gekommen. Zunächst sah er sich nach dem Wunsch seiner Eltern vor der Laufbahn eines aktiven k. u. k. Offiziers. Aus eigenem Entschluß sattelte er, ehe er militärisch avancierte, um. Schon mit 21 Jahren wurde er Ingenieur, spielte mit dem Gedanken einer entsprechenden wissenschaftlichen Karriere, änderte aber nochmals seinen Berufsplan und studierte Philosophie. Erneut lockte ihn nach seiner Promotion der Weg des Universitätslehrers, aber das technische wie das philosophische Studium hatten ihn vor allem als Denktraining gefesselt. Jahrzehntelang widmete sich Musil schließlich vor allem der Gigantenarbeit an seinem monumentalen Romanwerk „Der Mann ohne Eigenschaften", mit dem er sich als der deutsche Stilist und Moralist des 20. Jahrhunderts auswies, der aber bis zu seinem Tode in 3 großen Teilen nur unvollendet der Öffentlichkeit bekannt wurde. Erst 1952 liegt nun das bedeutende Werk in einer von dem bekannten Essayisten Adolf Frise eingeleiteten und redigierten Neuausgabe vor, die die großartige sprachliche, gedankliche und erzählerische Architektur des riesigen Torsos authentisch aus dem Nachlaß erweitert und vollendet.
   Der Novellenband „Drei Frauen" bildete die letzte Vorstufe, ehe Musil das ebenso gefahr- wie entsagungsvolle Wagnis unternahm, seine ganze Lebensarbeit auf den großen Roman zu konzentrieren. In diesen Erzählungen tastet Musil in das Dunkel jenes unfaßbaren Seins, das die Grenzen unseres Menschentums umgibt und uns noch Dinge vermittelt, die schon außerhalb unseres Lebens zu sein scheinen. „Drei Frauen", der Bäuerin, der portugiesischen Aristokratin und der Verkäuferin stehen drei Männer gegenüber, die durch sie ihre Tragik erleiden. Eine große Fremdheit liegt hier zwischen den Geschlechtern und gerade in dieser Spannung zeigt sich Musils eigentliche Stärke, hineinzuwandern in die seelischen Labyrinthe und Hintergründe. Mit der Veröffentlichung dieser Meistererzählungen und des großen Romanwerks wird nunmehr unzweifelhaft der von Thomas Mann vorausgesagte Nachruhm des Dichters strahlend aufgehen.