Autor Ringelnatz, Joachim rororo #46
  Deutschland
Titel rororingelnatz
  Nachwort von Alfred Polgar
   
Umschlaggestaltung Gröning, Karl jr.
Pferdmenges, Gisela
rororo Taschenbuch Ausgabe 46
  In einmaliger Sonderausgabe zum 100. Geburtstag des Verlegers Ernst Rowohlt am 23. Juni 1987 neu aufgelegt.
Auflage(n) 1.-50. Tsd. 01/1952
 
153 Seiten
dt. Erstausgabe Berlin: Henssel, 1947
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Als der am 20. November 1934, seinem Wunsche nach unter Intonierung des berühmten Seemannsliedes «La Paloma», zu Grabe und zur Ruhe getragene Joachim Ringelnatz starb, verlor unsere zeitgenössische Dichtung mit ihm ihren größten lyrischen Humoristen. Der Nachfahr Paul Scheerbarths, des skurrilen Dichters der «Katerpoesie», und Christian Morgensterns, des tiefsinnig heiteren Dichters der «Galgenlieder», wurde am 7. August 1883 in Wurzen bei Leipzig als Sohn eines ebenfalls sehr beliebten Schriftstellers und Humoristen geboren. Der zunächst zur See fahrende Autodidakt begann mit der Veröffentlichung grotesk-komischer, drastisch-humoriger Gedichte, von denen bereits im Jahre 1912 unter dem Titel «Die Schnupftabaksdose» eine erste Sammlung erschien. Bald machte ihn dann die ihm eigene höchst originelle Mischung seemännischen Vagabundentums, melancholischer Gefühlsschwingung, demütiger Innigkeit und reiner Herzenseinfalt weithin berühmt. Vor allem trug dazu seine eigene Vortragskunst bei, die ihn vom berühmten Münchner «Simpl» der Kathi Kobus bald durch ganz Deutschland führte. Neben den vielgelesenen Gedichtbänden, seinen «Turngedichten», dem «Kuttel Daddeldu», «Allerdings», den «Flugzeuggedanken» und den «Reisebriefen eines Artisten», die einen lyrischen Niederschlag seiner Vortragsreisen bilden, sowie der letzten, zwei Jahre vor seinem Tode erschienenen, Sammlung, den «Gedichten dreier Jahre», kommt aber auch seiner Prosa, vor allem den Bänden «Die Woge» und «Ein Jeder lebt's», Bedeutung zu. Auch ein Versuch als Dramatiker ist zu erwähnen: sein Stück «Die Flasche», mit dem er eigene Tourneen durch Deutschland unternahm. Dem Meer, dem er ein Leben lang verbunden blieb, widmete er die Anthologie «Matrosen», und eine vielfältige Begabung läßt ihn auch als Maler, vor allem seemännischer Sujets, im Sinne einer hochstehenden «primitiven» Kunst, berühmt werden. Der Seemannn nimmt am ersten Weltkrieg bei der Marine teil und schreibt seine Erlebnisse in dem Buche «Als Mariner im Kriege» nieder, die zusammen mit einem später folgenden Band «Mein Leben bis zum Kriege» seine Autobiographie ausmachen. Sie wird ergänzt durch den Band «Der Nachlaß», der neben unveröffentlichter Prosa und Lyrik auch Reproduktionen seiner Gemälde umfaßt und über seine letzten Lebensjahre Aufschluß gibt. Die Auswahl der vorliegenden Gedichte besorgte Muschelkalk.